Stadtteilfest 2019

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

gern möchten wir Sie auf das bald stattfindende Stadtteilfest Jena-Nord am 30.08.2019 hinweisen.

Am Jugendbildungszentrum Polaris in der Camburger Straße findet für Sie von 15-23 Uhr ein umfangreiches Familien- und Abendprogramm mit Musik und Puppenspiel statt.

Ihr Ortsteilrat freut sich auf Sie und zahlreiche Gäste.

 

Anbei der vollständge Flyer: Flyer-Stadtteilfest

Der neue Ortsteilrat ist gewählt

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,

bei den Kommunalwahlen am 26.05.2019 (Stichwahl Ortsteilbürgermeister am 09.06.2019) wurden folgende Personen als Ihre Vertreter in den Ortsteilrat Jena-Nord gewählt:

Dr. Christoph Vietze OTBM Jena-Nord
Tom Dippmar Mitglied Ortsteilrat
Heike Eisenhauer Mitglied Ortsteilrat
Michael Gruner Mitglied Ortsteilrat
Maria Kerzel Mitglied Ortsteilrat
Dr. Rudolf Leipold Mitglied Ortsteilrat
Ira Lindner Mitglied Ortsteilrat
Dr. Olivia Palitza Mitglied Ortsteilrat
Rainer Sauer Mitglied Ortsteilrat
Johannes Schleußner Mitglied Ortsteilrat
Felix Voigt Mitglied Ortsteilrat

In einer konstituierenden Sitzung am 26.06.2019 wurden zudem Frau Heike Eisenhauer und Frau Ira Lindner von den Mitgliedern als stellvertretende Ortsteilbürgermeisterinnen gewählt.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Christoph Vietze
Ortsteilbürgermeister
Ortsteilrat 2019
von links nach rechts: Felix Voigt, Heike Eisenhauer, Michael Gruner, Dr. Olivia Palitza, Rainer Sauer, Ira Lindner, Johannes Schleußner, Dr. Christoph Vietze, Tom Dippmar, Dr. Rudolf Leipold

 

 

Kommunalwahlen in Jena-Nord — Wer sind die Kandidaten?

Am 26.05.2019 finden in Jena Kommunalwahlen statt. Unser Ortsteilbürgermeister und die Ortsteilräte stehen zur Wahl. Der amtierende Ortsteilrat bietet allen Kandidaten eine Plattform sich vorzustellen.

Wir bitten alle Kandidaten für unseren Ortsteilbürgermeister und für die Ortsteilräte sich auf unserer Internetseite persönlich vorzustellen. Wir haben hierfür eine Vorlage erarbeitet, welche unter nachfolgendem Link zum Download bereitsteht.

Formular download:

Kandidat als Ortsteilbürgermeister,

Kandidat als Ortsteilrat

Bitte senden Sie uns das ausgefüllte Formular zu und wir präsentieren alle Kandidaten auf unserer Internetseite.

Alle Kandidaten sind auch gern zu unserer letzten Ortsteilratssitzung am 15.05.2019 in das Begegnungszentrum Jena-Nord ab 19.00 Uhr eingeladen. Jeder erhält die Gelegenheit sich kurz vorzustellen.

Die Kandidaten für die Wahl zum Ortsteilbürgermeister sind (Amtsblatt Jena 17/19 vom 02.05.2019):

  • Wahlvorschlag 1: Christlich Demokratische Union (CDU)

Kerzel, Maria, 1987, Sanitätshausfachverkäuferin, Jena

  • Wahlvorschlag 2: DIE LINKE (DIE LINKE)

Gnida, Katharina, 1988, Horterzieherin, Jena

  • Wahlvorschlag 3: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Dr. Vietze, Christoph, 1979, Diplom Volkswirt, Jena

  • Wahlvorschlag 4: Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP)

Sauer, Rainer Wolfgang, 1958, Beamter, Jena

 

Die Kandidaten für die Wahl zum Ortsteilrat sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Dippmar, Tom; 1985; Jena

Eisenhauer, Heike; 1968; Jena

Gruner, Michael; 1976; Jena

Kerzel, Maria; 1987; Jena

Kögler, Bertram; 1976; Jena

Dr. Leipold, Rudolf; 1950; Jena

Lindner, Ira; 1964; Jena

Dr. Palitza, Olivia; 1968; Jena

Römmelt, Maria; 1981; Jena

Sauer, Rainer Wolfgang; 1958; Jena

Schleußner, Johannes; 1989; Jena

Schubert, Michael; 1979; Jena

Taeger, Birgit; 1970; Jena

Dr. Vietze, Christoph; 1979; 07743; Jena

Voigt, Felix; 1982; Jena

Leuchtturm Jena Coworking – Einzeln in Gemeinschaft arbeiten

Leuchtturm JenaSeit dem 1. Februar ist Jenas Norden um das Angebot eines CoWorking Spaces reicher. Ein Projektteam des Leuchtturm Jena e.V. hat mit viel Herzblut Räumlichkeiten in der Thomas-Mann-Straße 27 renoviert. Auf 160 qm haben sie Raum geschaffen, der gemeinschaftlich nutzbare Büro-Infrastruktur bereithält aber auch für Events der unterschiedlichsten Couleur genutzt werden wird. Hier können Arbeitsplätze tage- und monatsweise gebucht, ein kleiner Besprechungsraum angemietet oder ein großer Raum für Seminare, Vorträge oder andere Formate genutzt werden.

Der CoWorking Space soll Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen zusammenführen. Hier können sie sofort effektiv und flexibel arbeiten, ohne sich um lange Mietvertragslaufzeiten, Büroausstattung oder etwa die Einstellung einer Putzkraft kümmern zu müssen. Das unkomplizierte Miteinander der einzelnen Büropartner und Tagesgäste steigert das Innovationspotential, denn gemeinsam entwickelte Ideen sind über das erweiterte Netzwerk viel einfacher zu realisieren. So entstehen schnell interessante Synergien, die das Geschäft eines Jeden zu beflügeln vermögen.

Neben dem CoWorking Betrieb hat es sich Leuchtturm Jena zur Aufgabe gemacht, vor allem Kulturschaffende bei der Suche nach Räumen oder einem Platz für die Arbeit zu unterstützen. Dabei kann Leuchtturm Jena gleichermaßen als Organisator und Veranstaltungsort gesehen werden. Das erste Konzert war schon ein großer Erfolg. Die Band Odd Beholder gastierte im Leuchtturm und bescherte allen Besuchern feinsten Elektropopgenuss. Mit kleinen Konzerten im Wohnzimmerformat, Lesungen und anderen entspannten Afterwork-Veranstaltungen möchte Leuchtturm Jena Auszeiten schaffen und für Abwechslung im Jenaer Kulturkalender sorgen.

Von April bis September wird es an ausgewählten Tagen auch eine Open Air Variante des Gemeinschaftsbüros geben. Beim CoWiF – CoWorking im Freien – kann sich der kreative Geist dann von zartem Vogelgezwitscher und dem Rauschen der Blätter beflügeln lassen.

Zur offiziellen Einweihungsfeier am 31.01.19 konnte sich Ortsteilbürgermeister Christoph Vietze persönlich von dieser inovativen Existenzgründung überzeugen und überbrachte die besten Wünsche des gesamten Ortsteilrates.

 

Mehr Informationen und Bilder gibt’s hier:

www.leuchtturm-coworking.de/

www.instagram.com/leuchtturmjena/

www.facebook.com/leuchtturmjena

 

 

Foto: Einweihungsfeier C: Leuchtturm Jena

 

Es kann wieder gebolzt werden

btyWenn zu einer Sitzung des Ortsteilrates sowohl die TLZ/OTZ, als auch JenaTV kommen muss es schon einen besonderen Tagesordnungspunkt geben. Und in der Tat, auf der Sitzung am 06.03.19 stellte Frau Roselt vom Fachdienst Stadtentwicklung und Stadtplanung die Planungsunterlagen zur Errichtung einer Ballspielfläche (Bolzplatz) auf dem Spielplatz in der Friedenstraße vor.

Der Wiederaufbau des Bolzplatzes in der Friedenstraße ist laut Ortsteilbürgermeister Vietze „ohne Zweifel der größte Erfolg des Ortsteilrates Jena-Nord in der vergangenen Legislaturperiode“. Vietze dankte neben allen Mitgliedern des OTRs auch zahlreichen Bürgern die sich durch Unterschriftensammlungen und Bürgeranfragen in Stadtrat für das Projekt eingesetzt hatten für ihre Unterstützung. Besonderer Dank gelte auch dem leider verstorbenen ehemaligen OTBM Siegfried Ferge und zahlreichen Mitarbeitern des Sozialdezernats für die Mithilfe bei der Bereitstellung der Investitionsmittel.

Zur Erinnerung: Der alte Bolzplatz wurde im März 2015 durch KSJ abgerissen, da er erhebliche Sicherheitsmängel hatte und deshalb kein Prüfsiegel mehr erhalten konnte. Ursprünglich zahlte die Stadt dafür einen Zuschuss an das Christliche Gymnasium Jena mit der Maßgabe, dass der dortige Bolzplatz außerhalb der Schulzeiten für alle Einwohner geöffnet wird (dies bleibt auch weiterhin so). Da es aber aus Sicht des OTRs dringenden Bedarf nach weiteren Spielflächen gibt und insbesondere der Platz an der Friedenstraße, mit dem nebenan befindlichen Kleinkindbereich, wieder ein Platz für alle Altersgruppen werden sollte, setzte sich der OTR für diesen (jetzt zusätzlichen Platz) ein. Der Stadtrat schloss sich diese Ansicht am 12.12.18 an und beschloss mit dem Doppelhaushalt auch die Mittel für den Bolzplatz.

Der Bolzplatz wird in gleicher Größe an alter Stelle errichtet. Südlich des Bolzplatzes entsteht eine Streetball-Fläche, die Tischtennisplatten wandern dafür auf die nördliche Seite. Begrenzt wird der Bolzplatz durch sehr stabile, geräuschdämpfende Stahlnetze die hinter den Toren 6 m hoch und an den Seiten 4 m hoch werden sollen.

Das Bauvorhaben ist in der Finanzplanung für 2019/2020 enthalten. Nun erfolgt als nächster Schritt die Ausschreibung der Tiefbau- und Schlosserarbeiten. Laut Frau Roselt ist es das ambitionierte Ziel der Stadtverwaltung den Bolzplatz noch dieses Jahr zu eröffnen. Aufgrund der mit Bauaufträgen ausgelasteten Handwerksbetriebe kann eine Fertigstellung in 2019 aber nicht garantiert werden. Eine Anregung des Ortsteilratsmitglieds Dr. Nauck wurde durch die Verwaltung aufgegriffen. Und zwar neben Sitzbänken an den Tischtennisplatten auch zusätzliche Sitzbänke an den westlichen Seitenbanden aufzustellen.

 

Foto: Skizze C. Dr. Mark

 

 

Straßenbaustelle im Rautal

Wie viele Einwohner Jena-Nords ja bereits leidvoll festgestellt haben werden, wurde ab 25.03.19 die Straße Rautal zwischen Ottogerd-Mühlmann-Str. und Erich-Kuithan-Str. voll gesperrt. Der Ortsteilrat findet es schwer verständlich, warum zusätzlich zur Langzeitbaustelle Naumburger Str. zeitgleich auch noch eine der Umleitungsstrecken gesperrt wird. Der Grund für die Sperrung ist laut Stadtwerke Jena-Pößneck der Neubau der Trinkwasserleitung und des Hochbehälters im Rautal. Obwohl diese Erneuerung unzweifelhaft notwendig ist, stellt sich schon die Frage ob die Leitungen, die seit einhundert Jahren dort ihren Dienst verrichten, nicht noch ein Jahr, zumindest bis zur Freigabe der Steinbachkreuzung, durchgehalten hätten.

Leider führt die Umleitung über Ottogerd-Mühlmann-Str., Gotthard-Neumann-Str. und Zitzmannstr. direkt durchs Wohngebiet Nord II, wodurch im ohnehin schon parkplatzarmen Wohngebiet zeitweilig weitere Parkplätze wegfallen.

Nach mehreren Gesprächen mit dem Fachdienst Verkehrsorganisation konnte Ortsteilbürgermeister Christoph Vietze zumindest erreichen, dass „nur“ bis zu 30 Parkplätze für Ausweichtaschen wegfallen und nicht die gesamte Gotthard-Neumann-Str. mit Halteverbotsschildern versehen wurde. In einem Gespräch Vietzes mit Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz versprach dieser zu eruieren, ob durch die Stadt kurzfristig Behelfsparkplätze geschaffen bzw. angemietet werden können.

Ein weiteres Problem stellt aus Sicht des OTRs aktuell die Schulwegsicherheit auf dem Gehweg Zitzmannstr. an der Einmündung Gotthard-Neumann-Str. Richtung Carl-Zeiss-Gymnasium und Rautalschule dar. Wie die Bilder belegen ist bei normalen Verkehrsverhältnissen die Kreuzung zwar auch schwer einsehbar, aber durch dass geringe Verkehrsaufkommen auf der Gotthard-Neumann-Str. gut beherrschbar. Durch den erwartet hohen Verkehr oft ortsfremder Verkehrsteilnehmer während der Umleitungszeit, könnten Schulkinder beim Überqueren der Gotthard-Neumann-Str. verstärkt in Gefahr gebracht werden. Dem Fachdienst Verkehrsorganisation wurde dieses Problem durch Vietze geschildert. Als Gegenmaßnahme werden entweder das Aufstellen eines temporären Stoppschildes an der beschriebenen Stelle oder ein Rückscheiden der Hecken im Kreuzungsbereich durch die Stadt geprüft.

Foto: 2mal Kreuzung C: Eisenhauer

Antennen

von Wilfried Nauck

 Ährenkranz und Hakenkreuzfahne

Es dämmert am Vorabend des ersten Mai. Im sozialistischen Neubaublock an der Straße der ‘ewigen brüderlichen Freundschaft’ gehen die Lichter an. Im Dunkeln öffnen sich Küchenfenster der Südseite, in deren Rahmen Bewohner seltsam hantieren. Ich blicke zum Fenster des Nachbarn. Soll doch erst Genosse Pitzo seine ‘Hakenkreuzfahne’ raushängen, nachdem die ‘Ährenkranzfahne’ schon hängt. Er hat extra einen zweiten Fahnenhalter angebracht, um beide Fahnen gleichzeitig hängen zu können. Die ‘Hakenkreuzfahne’ ist eine von seiner Partei so bezeichnete Ochsenkopfantenne, gerichtet auf den Sender im bayrischen Wald, dessen Berg ihm den Namen gab, der Pitzos Partei Gelegenheit zu primitiven Anspielungen verschaffte. Genossen Pitzo stört das nicht, mich erst recht nicht und so schwinge ich meine Spezialkonstruktion aus, die keinen zweiten Fahnenhalter braucht und aus zwei Stabantennen sowjetischer Bauart besteht, die die Soldaten der Jenaer Garnison zwecks Wodkabeschaffung verscherbelt haben.

 

Der Wert einer Wohnung wird stark mitbestimmt durch die ‘Empfangslage’. Unsere ‘Empfangslage’ ist meistens gut, außer die ‘Russen’ senden von der Garnison zum Panzergelände. Dann wird der Bildschirm dunkel und ‘ras,dwa,tri’ ertönt aus dem Lautsprecher. Manchmal ist der Spuk schnell vorbei, wenn nicht, muß der ‘Russentod’ eingesetzt werden. Der ‘Russentod’ besteht aus einer Blechbüchse, in deren Innern zwei Anschlüsse, eine Spirale und eine Kupferplatte angebracht sind. Durch Verstellen der Kupferplatte mittels einer Schraube kann man die ‘Russen’ dämpfen und ein fades stark gestörtes Bild herbeikitzeln, ein Volkssport, der die Möglichkeiten besetzter Völker zu symbolisieren scheint, der Macht mit bescheidenen Mitteln ein Quentchen auszuweichen.

 

Das Großprojekt

Nach einem Wohn-Intermezzo in Neulobeda beziehen wir ein Häuschen im Grünen, leider wieder nicht weit weg von der Garnison. (Am Kieshügel) .Zunächst geht der Farbfernseher nicht, weil die Netzspannung bis auf 170V absinkt, da hilft ein Spannungsregler .Der „Russentod“ wird leider häufig gebraucht. Im Äther tönt es ‘ras,dwa,tri’, die Turbinen-Panzer fauchen auf der Landgrafenhöhe und dicke Schwaden stinkend nach Altöl und verbranntem Gummi ziehen aus den Kasernenschloten über die Stadt. Auf dem Nachbarberg werden Raketen eingegraben, Jenas bekanntester Wanderweg wird stückweise auf Raketenlafettenbreite erweitert. Die Stadtbewohner haben den Eindruck, mißmutig geduldete Gäste einer Riesen-Garnison zu sein. Doch auf unbesetzten Thüringer Höhen tut sich Wunderliches. Gittermasten wachsen empor, an denen die Nachkommen der ‘Hakenkreuzfahnen’ hängen, geflissentlich übersehen von Pitzos Partei einschließlich ihrer sicherheitssüchtigen Organe. Die Partei hat den Kampf gegen die ‘Hakenkreuzfahnen’ aufgegeben, es gerüchtelt, die Organe hätten festgestellt, die staatseigenen Bürger wären ruhiger, wenn sie ihren Kopp in die Westglotze stecken können. Des Drehens am Russentod müde, stelle ich den Antrag auf Errichtung einer Gemeinschaftsantennenanlage für ‘internationalen Fernsehempfang’. Der Antrag läuft, die ‘nationale Front’, das harmlos-zivile Überwachungsorgan prüft, die Deutsche Post der Deutschen Demokratischen Republik prüft auch und ich robbe mit Gleichgesinnten durch die Brennesseln, begleitet vom Fauchen der Turbinen-Panzer, um ein ziviles Fleckchen mit sehr guter ‘Sicht’ zu finden, in zwei Kilometer Entfernung werden wir fündig. Eine Umfrage in allen Nachbarstraßen ergibt ‘überwältigende Zustimmung’, nur getrübt vom Knurren der Hardliner-Genossen. Die Genehmigung trifft ein und das wahrhaft kollektive Werk kann beginnen. Brigaden werden gebildet, Verantwortung delegiert, Materialbeschaffung organisiert, privat geht vor Katastrophe. Mit edlem Bier beladene Delegationen reisen zum volkseigenen Kabelhersteller und treffen auf viel Verständnis. Die Rapporte sind fast so streng wie im traditionsreichen ortsansässigen Kombinatsbetrieb, in dem sich die Genossen Hugo, Ernst, Wunderlich und Biermann die Klinke des Chefbüros in die Hand gaben, wobei das Fußvolk meint, erst waltete Hugo, dann wurde es ernst, dann wurde es wunderlich und dann war Hopfen und Malz verloren. Und schließlich hebt der große Tag an, wo das Volk von seinem Wohnhügel hinaus zieht auf den erwählten Berg und mit Spitzhacke, Schaufel und Schubkarre, aber wo es sein muß auch mit Preßluftmeißel eine Furche zieht von tausenden Meter Länge und vorgeschriebener Tiefe, in die das von verständnisvollen Werktätigen gelieferte Kabel versenkt wird. Auch wir setzen einen Gittermast und behängen ihn fachkundig beraten mit Aluminiumfahnen.

Unsere Häuser verbinden neue Drähte und nur sehr selten müssen wir einen Bogen um ein Grundstück machen, dessen Besitzer sich ausschließt, ungefähr so selten, wie eine Gegenstimme bei der Wahl der Kandidaten der ‘Nationalen Front’. So kann sich das Volk unseres Wohnhügels ein Weihnachtsgeschenk machen: Westfernsehempfang ohne Bildschirmverdunkelung und ‘ras,dwa,tri’. Wir sind stolz und glücklich auf unser Werk, stolzer und glücklicher als auf viele Arbeitsergebnisse und ich erzähle augenzwinkernd meiner naiven jungen Kollegin, mein Lebensziel wäre es, wenn am besagten Gittermast eine Gedenktafel von unseren Taten kündete und Scharen von ‘Jungen Pionieren’ noch nach Generationen andächtig dorthin pilgern würden.

 

 

Die Wende

Doch Egon riss im Fallen die Mauer ein, das Bessere ist der Feind des Guten und weniger Guten, das Mauerloch übertrumpfte das Guckloch. Was Pitzos Partei als Menetekel an der Mauer gesehen haben wollte, den Einzug der Bundeswehr mit klingendem Spiel durchs Brandenburger Tor, das geschah nun ohne Spektakel auf der A4. Zuvor hatten wir noch schnell die Antennenkasse erleichtert, mit ‘Schwindelkurs’ eine Schüssel gekauft und jedem ein Anteilstückchen zurückgezahlt, falls die Aluchips bald nur noch Materialwert haben sollten.

Die Antenne empfängt die bekannten öffentlichen und neue private Wellen, nunmehr national und nicht mehr ‘international’, jeder kann sich außerdem eine Schüssel kaufen und damit mehr empfangen als unser stolzer Gittermast. Damit beginnt der Abstieg. Als hätte unser Gemeinschaftswerk diese Degradierung nicht hinnehmen können, beginnen Holzmasten zu faulen und umzufallen, Kontakte zu rosten und Spanndrähte zu reißen. Der unermüdliche Techniker stemmt sich gegen den Verfall, daß sein Familienleben bebt, er bittet schließlich um eine den neuen Zeiten angemessene Rechtsform, um nicht in jeder Hinsicht im Regen zu stehen. Das Ende schon vor Augen, gründen wir einen Verein, um die Fährnisse der neuen Ordnung bestehen zu können. Die Kosten steigen und die Mitglieder, großzügig zu Zeiten der Aluchips, halten die harte Mark fest. Da schon so viel sang- und klanglos zusammengebrochen ist, wollen wir nicht zu denen gehören, die sich mit beleidigter Miene von der Bühne plumsen lassen. Es gibt Offerten von seriösen und weniger seriösen, die uns in ihre Arme schließen wollen. Briefe mit tollen Briefköpfen flattern vor unseren Augen.  Aber der Gretchenfrage können wir nicht ausweichen: investieren, kapitulieren oder fusionieren. Zum ersten fehlt uns Geld und Mut, zum zweiten sind wir zu stolz, so bleibt nur das dritte. Wir treten bei. Mangels Masse können wir keine großen Forderungen stellen, die leichte Kasse wird abgeliefert, die Entsorgungspflichten abgegeben. Es gibt keine Jungen Pioniere mehr, da ist es auch nicht so schmerzlich, wenn bald der Gittermast abgebaut wird, der nie eine Gedenktafel bekommen hat.

 

Nachtrag: Der Gittermast und das Antennenhäuschen stehen noch heute auf der Kante des Jägerbergs, ein paar moderne Richtfunkantennen sind angebracht.